Manchmal stimmt, was die Werbung verspricht: Es gibt kaum etwas Entspannenderes, als dem Mähroboter bei seiner Arbeit zuzusehen. Der Rasen sieht weitgehend gepflegt aus und der Lärm und Gestank eines Benzinrasenmähers wird nicht vermisst. Unser Kleiner läuft nun schon elf Jahre. Ich hatte ihn damals zum Schnäppchenpreis erworben, so dass sich seine Anschaffung mehr als gelohnt hat. Ich bekam damals den Mäher aus der Ausstellung des Baumarktes, weil ein anderes Gerät nicht auffindbar war. Bis heute frage ich mich, wie man so eine große Kiste unbemerkt aus dem Baumarkt stehlen kann. Das aufgeregte Verkäuferteam meinte noch, es sei nicht das erste Mal gewesen. Egal, ich hatte mein Schnäppchen. Nach etwas mühevoller Installation des damals noch nötigen Begrenzungsdrahtes konnte er loslegen. Inzwischen fährt er mit dem dritten Akku und hat über 5000 Ladungen hinter sich. Wieviele tausend Kilometer er wohl schon gefahren ist?
Vielleicht können wir das von so einem Rasenmähroboter lernen:
1. Pausen sind nötig. Wenn der Akku geladen ist, macht sich der Mäher an die Arbeit. Wenn der Akkustand niedrig ist, schaltet sich das Mähwerk ab und der Mäher sucht den Weg zu seiner Ladestation. Würde er weitermähen, wäre der Akku bald leer und der Mäher würde irgendwo im Garten stehen bleiben. Er käme nicht mehr aus eigener Kraft zu seiner Ladestation zurück. Wir können von ihm lernen, achtsam mit unseren Kräften umzugehen. Wenn wir merken, dass sie schwächer werden, sollten wir Arbeit reduzieren und rechtzeitig unsere ganz persönliche Ladestation aufsuchen. Das kann bei jedem etwas anderes sein: Ein gutes Buch, ein Film, eine Serie, ein Spaziergang, Sport, Radfahren oder ein gepflegter Sofaabend. Wichtig ist, den Akku zu füllen, bevor man nicht mehr aus eigener Kraft zu seinen Kraftquellen zurückfindet.
2. Umwege gehören zum Leben dazu. Unser Mäher hat Stoßsensoren. Wenn er an ein Hindernis anstößt, fährt er ein Stück zurück, dreht etwas die Richtung und fährt wieder los. Das kann bei manchen Engstellen und Hindernissen etwas dauern, bis er sich wieder frei gefahren hat. Am Ende kommt er doch ins Ziel. Wir können von ihm lernen, Hindernisse zu akzeptieren, sie zu umgehen, unseren Weg weiter zu suchen und dann zu finden, auch wenn die Lage aussichtslos erscheint.
3. Manchmal ist professionelle Hilfe nötig. Es kommt vor, dass sich der Mäher irgendwo so festfährt, dass er nicht weiterkommt und sich vor Frust abschaltet. Manchmal passiert das unter Büschen, so dass ich den Garten mehrfach absuchen muss, bis ich ihn gefunden und aus seiner misslichen Lage befreit habe. Es kommt auch vor, dass Teile kaputt gehen. Neben den Messern und den Akkus wurden auch schon die Räder gewechselt, die Displayabdeckung erneuert und Gummidämpfer ausgetauscht. Wir können von ihm lernen, dass wir manche Probleme nicht selbst lösen können, sondern professionelle Hilfe in Anspruch nehmen müssen, bevor alles - z.B. Körper, Beziehungen - so kaputt ist, dass nichts mehr hilft.
4. Kein Leben ist ohne Verletzungen. Man sieht unserem Mäher die lange Laufleistung an. Seine Arbeit hat Spuren bei ihm hinterlassen. Überall zeigen sich Kratzer und Schrammen. Er akzeptiert sie und arbeitet weiter. Wir können von ihm lernen, Verletzungen zu akzeptieren, sich nicht von ihnen lähmen zu lassen, sondern so gut es geht weiterzumachen.
5. Auf die Verbindung kommt es an. Unser Garten ist mit einem Begrenzungsdraht umgeben, damit der Mäher weiß, wo er hingehört. Am Anfang passierte es, dass ich den Draht so schlecht gelegt hatte, dass der Mäher ihn zerschnitten hat oder ich ihn mit dem Spaten erwischt habe. Manchmal hatte sich auch eine Verbindung gelöst, was die Fehlersuche schwierig gestaltete. Ohne Verbindung mit der Basis kennt der Mäher seinen Weg nicht und findet nicht zurück. Wir können von ihm lernen, mit unserer Kraftquelle in Verbindung zu bleiben, den Kontakt zu halten, Verbindungsabbrüche zu reduzieren und die Verbindung zu stärken. Je stabiler der Draht, desto stabiler die Beziehung. Für mich ist das der Draht nach oben, die Verbindung zu Gott, der mir neue Kraft gibt, mich auf Umwegen begleitet, mir zeigt, wo ich Hilfe finde, und meine Verletzungen heilt, so dass ich meinem Auftrag und meiner Bestimmung gerecht werden kann.

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