Nachrichten Ansicht

News

15.04.2026 Kategorie: Angedacht

Der Oster-Wal

Jesus hat den Tod überwunden

Der Osterhase musste dieses Jahr Platz 1 des Tieres des Monats räumen. Gegen den Buckelwal in der Ostseebucht hatte er keine Chance. Zwölf Meter lang ist der Wal, drei Meter breit, zwölf Tonnen schwer. Er war vermutlich den Heringsschwärmen in die Ostsee gefolgt immer weiter in ein Meer, in dem er nicht dauerhaft leben kann. Sein Lebenshunger führte ihn ins Verderben. Als er es merkte, war es zu spät. Er suchte einen Platz zum Sterben, aber man ließ ihn nicht. Helfer rückten an, Experten und solche, die sich dafür hielten. CNN berichtet darüber, ebenso die New York Times. Und natürlich die BILD. Ein Liveticker wird eingerichtet: Er atmet, er atmet nicht. Dem sterbenden Tier werden Namen gegeben: Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling nennt ihn Timmy, Wal-Fans nennen ihn Hope wie Hoffnung. Ein Wal: Die Hoffnung der Welt? Da denke ich zu Ostern an einen ganz anderen, der nicht einmal das Seepferdchen gemacht hat. Wozu auch: Er konnte auf dem Wasser gehen!

Wäre der Wal im 17. Jahrhundert gestrandet, wären die Anwohner mit Äxten und Messern angerannt gekommen und hätten den Speck abgetrennt und in großen Pfannen zu Lampenöl verkocht. Aus den Knochen hätten sie Zaunpfosten gemacht. Und alles ohne Liveticker.

Heute wird der Wal zum Politikum: Retten wäre schön, aber wie? Schwimmbagger? Den Wal auf ein Bettlaken legen und mit Hubschraubern in die Nordsee bringen? Ihn rausschleppen wie einen havarierten Frachter? Erschießen? Giftspritze? Beim Wal hat man die Qual der Wahl. Aktivisten wollen ihn retten, ohne ihn zu fragen. Wer das nicht vorbehaltlos unterstützt, wird mit dem Tode bedroht. Dem eigenen, nicht dem des Wales. Robert Marc Lehmann reist mit seinen Millionen Followern auf Youtube an. Es scheint ihm auch um den Wal zu gehen, aber auch und vor allem um sich. Er legt dem Wal die Hand auf und spürt eine Verbundenheit. Der Wal tut das nicht. Eine Schamanin reist an. Sie hat den Wal schon von Karlsruhe aus ausgependelt. Gerade lese ich: "Frau springt von Fähre, um zu Timmy zu kommen. Polizei holt sie drei Meter vor dem Wal aus dem Wasser." Die Umwelt- und Klimaaktivistin war extra aus München angereist. Warum will sie dem Wal vorschreiben, wo er zu sterben hat? Ein anderer Aktivist, der die Streuobstwiese mit der Sichel mäht, um keine Tiere zu töten, organisiert eine Demo: Nicht für freie Wahlen, sondern zur Verbreitung einer Verschwörungstheorie. Walsinn gerät bei manchem in die Nähe von Wahnsinn. Menschen singen und bilden eine Menschenkette. Einige weinen. »Der Wal hat auch geweint die ganze Nacht«, sagt eine Teilnehmerin.

Und ich frage mich: Warum weckt der Wal so viele gute wie schlechte Emotionen? Warum fühlen sich manche schuldig an seinem Ergehen, wo ihm doch ein Fischernetz im Maul hängt und die Geräusche der Schiffe ihn vom Kurs abgebracht haben könnten? Was unterscheidet den Wal von der Antilope, die vom hungrigen Löwenrudel eingekreist wird, und vom jungen Elefanten, der unvorsichtig seinen Rüssel in die Wasserstelle voller Krokodile hält, und von den Mücken, die an der Windschutzscheibe des Autos bzw. des ICEs der Klimaaktivistin aus München kleben?

Solch eine Leidenschaft und so einen Einsatz und so viele kreative Hilfsangebote würde ich mir auch für den Beginn und das Ende jedes menschlichen Lebens wünschen. Gerade zu Ostern, dem Fest ewigen Lebens, weil Jesus den Tod überwunden hat und lebt.

Foto: Lee Andron / www.pixabay.com

Beitrag von Frank Wesemann