Inzwischen greift auch in unserem unterkühlten Land das WM-Fieber um sich. Das mag auch an den heißen Temperaturen liegen. Aber vielleicht wecken unsere Kicker doch die Hoffnung, dass "wir" endlich wieder etwas reißen können. Das wäre doch schön, oder? Nach dem zweiten Gruppenspiel mit dem glücklichen späten Siegtreffer fuhren jedenfalls die ersten Fans bei uns hupend durch die Straßen. Gut, es war nicht Frankreich oder England, aber immerhin die Elfenbeinküste, deren Spieler einen sehr gefälligen Fußball präsentiert haben.
Aber es gab eben auch Irritationen. Eine bundesweit vertretene Partei hielt beim zweiten Vorrundenspiel gerade ihre Jahreshauptversammlung (Bundesparteitag) ab und endete am Samstagabend nach langen Reden und Abstimmungen auch beim gemeinschaftlichen Fußballgucken. Aber bitte ohne Trikots, war die Empfehlung, denn zu patriotisch wollte man auch nicht rüberkommen. „Keine Fahnen, kein Nationalismus, kein Stress!“, hießen die Verhaltensregeln für das Spiel. Ich vermute, dass nicht wenigen Parteivertretern auch die Nationalhymne schwer über die Lippen käme.
Die andere Irritation war ein Gebet im Mittelkreis des Spielfeldes. Christen aus beiden Mannschaften beteten nach dem Abpfiff miteinander und lebten christliche Gemeinschaft vor. Das Problem war, dass zwei davon überraschenderweise aus der Deutschen Mannschaft kamen. Schon wurden in der Öffentlichkeit die Augenbrauen hochgezogen, die Zeigefinger erhoben und Konsequenzen gefordert. "Platzverweis für Jesus!" titelte die taz. Dabei gehört gemeinsames Beten zu dem Normalsten, was Christen miteinander machen können. Der persönliche Glaube gehört zur Identität eines Menschen und kann nicht in der Kabine bleiben, während der Spieler auf dem Feld sein Bestes gibt: Für die Mannschaft, für sein Land, und auch für seinen Gott, den er mit seinem Leben verherrlichen will. Wo ist denn da das Problem? Endet die grundgesetzlich verbriefte Religionsfreiheit auf dem Spielfeld? Mir sind betende Kicker lieber als charakterschwache Schauspieler, die bei der kleinsten gegnerischen Berührung einen medizinischen Notfall vortäuschen oder bei jeder Gelegenheit auf den Rasen rotzen. Leute: Wollt ihr so ein Vorbild sein?
Und noch etwas: Wenn Christen ihren Glauben ungewöhnlich öffentlich leben, machen sie sich schnell verdächtig. Gerade Vertreter, die sonst eine knallbunte Toleranz einfordern, reagieren bei diesem Thema ungewöhnlich schnell gereizt. Platzverweis für Jesus? Bitte nicht! Nehmt es doch einfach mal als normal hin, dass Menschen ihren Glauben öffentlich leben. Sie wollen doch nur beten! Als Lionel Messi sich nach einem seiner zahlreichen Tore bekreuzigte und den Zeigefinger gen Himmel streckte, störte das übrigens niemanden. Er ist ja auch Argentinier. Die dürfen so verrückt sein. Verrückt nach Jesus.

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