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04.01.2026 Kategorie: Angedacht

Kirchendeformation

Ehre sei Gott in der Höhe!

Ecclesia semper reformanda: Die Kirche ist immer eine zu erneuernde. Dieser alte Satz aus der kirchlichen Tradition stimmt und wurde z.B. von Martin Luther und anderen Reformatoren gelebt. Auch Jesus wirkte ja nicht nur bewahrend, sondern hatte durchaus neue und wegweisende, geradezu revolutionäre Ideen eingebracht, wie ein Glaube, der sich auf ihn beruft, gelebt werden soll: Nämlich ganz oder gar nicht. Nun haben sich in einer sich stetig erneuernden Kirche aber trotzdem Strukturen festgesetzt, an denen man nicht rütteln mag und die sich gegen die Erneuerung sperren, obwohl sie ständig davon reden. Neben Kirchengemeinden, in denen schon immer das kirchliche Leben seine segensvollen Sternstunden erlebte und das durchaus dynamisch und experimentierfreudig, gab es auch einen Verwaltungsapparat, der das kirchliche Leben insgesamt ordnen, mit Gesetzen regeln und vor allem beaufsichtigen und regulieren wollte. So wurde oft das kirchliche Leben der Ortsgemeinde erschwert. Kreative Ideen wie die Errichtung einer Weidenkirche wurden, soweit mir berichtet wurde, zu verhindern versucht. Auch beim Thema Bau und Gebäude konnten sich viele Gemeinden über zu viel Unterstützung aus dem Amt nicht beklagen. So wirkte es bei manchen engagierten Ehrenamtlichen oft nicht als Dienst- und Service-, sondern als Ermöglichungsverhinderungsbehörde. Jetzt kommt eine große Strukturreform. Und das nicht, weil man sich der kirchlichen Hauptaufgabe, der reinen Verkündigung des Evangeliums und der ordnungsgemäßen Verwaltung der Sakramente Taufe und Abendmahl, besonders und mit frischem Schwung widmen möchte. Nein, es geht hier wie auch sonst ums Geld, um weniger Mitglieder und Personal. Die kleinen Gemeinden werden zu einer großen fusioniert, kleine Körperschaften Öffentlichen Rechts aufgelöst, das mühsam ersparte und zurückgelegte Geld in einen großen Topf geworfen, die Verwaltung einem professionellen Gremium überlassen, und - wie durch Zauberei - soll dann alles besser sein, zukunftsfähig und alternativlos. Obwohl die Details im Dunkeln liegen, vieles unklar und verschwommen ist, auf viele Fragen keine Antworten zu finden sind und auf kritische Anmerkungen nichts Positives erwidert wurde, gab es auf der Synode nur drei Gegenstimmen. Die Reformer bzw. Deformierer der lang vertrauten Strukturen freuen sich über die beeindruckende Deutlichkeit dieser Entscheidung. In dem Zusammenhang fiel mir der in protestantischer Freiheit verfasste Leitsatz Luthers ein, dass auch Synoden irren können. Ich lasse mich wirklich äußerst gern vom Gegenteil überzeugen, aber noch sehe ich nichts, was besser wird. Weder für die engagierten Ehrenamtlichen, die sich leicht neue Betätigungsfelder suchen können, noch für die Hauptamtlichen, die sich mit Leib und Leben dem geistlichen Dienst verschrieben haben. Mein Tipp für alle, die sich über diese Strukturreform ärgern und das Gefühl haben, als würde auch in der Kirche von oben nach unten durchregiert: Lieber auftreten statt austreten! Sich weiter beteiligen und engagieren, frische Ideen von Orts- und Regionalgemeinde entwickeln und probieren, den Mut und die Hoffnung nicht verlieren und weiter mit Gottes Segen unterwegs sein. 

Geistliche Aufbrüche geschahen noch nie von oben nach unten. Erneuerung geschieht an der Basis, der Ortsgemeinde, die im Kleinen die Hoffnung der Welt ist. Äußere Reform scheitert, wenn es an der innerlichen Erneuerung fehlt. Wozu ist Kirche heute noch da und was ist ihr Auftrag? Eine Spur legt das Weihnachtsgeschehen, auf das wir jetzt wieder zugehen. Gott wählt den Weg von oben nach unten, vom Himmel auf die Erde, und wird in Jesus Mensch. Schon als Baby verändert er die Welt: Von unten nach oben. Für ein kleines Kind öffnet sich am Heiligen Abend der Himmel und die Engel schmettern den Hirten entgegen, was ich von meiner Kirche lautstark und begeistert hören möchte: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens! Dann bekäme auch ich wieder neue Hoffnung für eine Kirche in veränderter Form, die sich dann wirklich kontinuierlich vom Evangelium her erneuert und immer danach fragt, womit sie Gott und den Menschen heute dienen kann.

Foto: Matthias Böckel / www.pixabay.com

Beitrag von Frank Wesemann