Düsterer Dauerfrost legt sich über das Land. Nur selten bringt der Lichtglanz der Sonne die Eiskristalle zum Glänzen. Über die Gewässer legt sich ein silbrig-grauer Eisdeckel und darunter ruht das Leben. Man muss sich warm anziehen, dick einpacken, und der erste Frühjahrsgesang der Vögel verstummt. Die Störche klappern vor Kälte, und wer nicht raus muss, sitzt drinnen bei Tee und Kerze und macht sich warme Gedanken. Seit Urzeiten nennen wir diesen Zustand Winter. Und sind doch überrascht, wenn er kommt.
Manche leiden an kalten Füßen, aber einige auch an kalten Herzen. Merken tun die das meistens nicht mehr, sondern die, die mit ihnen zu tun haben. Sie verbreiten dumpfe Dunkelheit, und warm werden sie nur mit Ihresgleichen. Kälte steckt an, breitet sich aus, lähmt und dämpft, während Wärme anzieht, belebt, motiviert und in Bewegung bringt. Sie muss immer wieder neu entzündet und entfacht werden, und bevor ein Holzscheit abgebrannt ist, muss ein neuer nachgelegt werden. Damit das Feuer nicht ausgeht und die Wärme bleibt.
Beim Propheten Jesaja aus der Bibel heißt es an einer Stelle (Kapitel 60 Vers 2): "Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir." Obwohl sich an manchen Tagen über alles ein eisiger, dunkler Vorhang legt, obwohl Vieles in dieser Welt aussichtslos wirkt, obwohl die Kälte zu regieren scheint, wird über dir der HERR aufgehen wie die wärmende Morgensonne, und seine Herrlichkeit, seine Macht, seine Liebe, sein Trost, seine Stärke und Geduld werden auf dich kommen und dich begleiten, trösten, aufrichten, stärken, dir neuen Lebensmut geben.
Wer in den Lichtschein der Gnade Gottes tritt, wird selbst erfüllt mit so viel Licht und Wärme, dass er sie an andere weitergeben kann. Wer sich an der Liebe Gottes erwärmt wie am wohligen Feuer eines Kamins, indem er in Kontakt mit Gott bleibt, im Gebet mit ihm redet, ihm die eigenen Sorgen und Ängste in die Hand legt, die Ermutigungs- und Hoffnungsworte der Bibel neu liest und Gottes Heiligen Geist im Alltag mehr Raum gibt, der bleibt dann wohlig und kann den düsteren Dauerfrost durchbrechen.
Martin Luther beschrieb Gott als "einen glühenden Backofen voller Liebe, der von der Erde bis an den Himmel reicht". Wenn das stimmt, dürfen wir kleine Taschenwärmer der Liebe Gottes sein und sie austeilen und das Licht der Liebe Gottes aufleuchten lassen. Damit das Eis gebrochen wird und Menschen wieder die Nähe Gottes suchen, dessen Herrlichkeit auch in düsteren Zeiten über unserem Leben scheinen soll.

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